Massive Kritik am Aufsichtsrat der Commerzial Bank

Experte kritisiert die Unprofessionalität von Kontrollorganen und fordert strengere Fit&Proper-Regeln

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Massive Kritik am Aufsichtsrat der Commerzial Bank

Experte kritisiert die Unprofessionalität von Kontrollorganen und fordert strengere Fit&Proper-Regeln

„Eigentlich höchst erstaunlich, dass eine Bank im Jahr 2020 noch einen solchen Aufsichtsrat hat“, wundert sich Josef Fritz, Chef des auf die Suche nach Aufsichtsräten spezialisierten Personaldienstleisters Bord Search. Im Kontrollgremium der implodierten Commerzialbank sitzen die üblichen örtlichen Honoratioren, wie es in kleinen Regionalbanken in Österreich immer noch „schlechte Tradition“ sei.

Vorsitzender des Aufsichtsrates ist der 74-jährige Landwirt Josef Giefing, ehemaliger ÖVP-Bürgermeister von Krensdorf. In grauer Vorzeit hatte er auch eine Funktion in der burgenländischen Raiffeisenlandesbank-Genossenschaft. Neben ihm finden sich regionale Klein-Unternehmer.

„Aufsichtsrat ist kein Beziehungsrat“
„Diese alten Freundschaftsbeziehungen oder Wirtshausrunden, das geht gar nicht. Ein Aufsichtsrat ist kein Amtsträger und kein Beziehungsrat. Ein solches Mandat ist heute kein Ehrenamt mehr“, moniert Fritz. Nicht nur bei Kleinbanken, auch bei vielen Kommunalbetrieben würden Aufsichtsräte immer noch „höchst unprofessionell besetzt. Nach den Kriterien family, friends, fools (Familie, Freunde, Idioten). Und wenn was passiert, gibt es ein böses Erwachen“ ätzt Fritz.

Als grundlegende Anforderungen an Aufsichtsräte sieht Fritz entsprechend den EU-Richtlinien Qualifikation, Unabhängigkeit und Professionalität.

Kritische Distanz
Unabdingbar sei auch eine kritische Distanz zum Vorstand. Das ist allerdings auch in Aufsichtsräten von Großunternehmen oft nicht der Fall.

Aufsichtsratsjobs in Banken sind ganz besonders anspruchsvoll, selbst wenn das Kreditinstitut nicht systemrelevant ist. Zwar gibt es für Aufsichtsräte Qualifikationserfordernisse. Doch diese Fit&Proper-Regeln variieren nach Größe und Relevanz des Instituts. Bei einer Bank wie der Commerzialbank muss nicht jedes einzelne Mitglied, sondern nur das gesamte Gremium als Kollegialorgan diesen Anforderungen der Europäischen Bankenaufsicht entsprechen. Weshalb Fritz strengere Fit&Proper-Kriterien für Kleinbanken einfordert.

Aufsichtsräte müssten auch Werte vorleben. „Ein einziger werte-orientierter Aufsichtsrat, der kritisch hinterfragt – oft sind es Frauen –, und manche Konzerne hätten sich nachweislich Milliarden Euro an Schaden erspart“, meint Fritz. Bezeichnend, dass der Aufsichtsrat der Commerzialbank ein reiner Männer-Club ist.

Wer einen Aufsichtsratsjob annimmt, muss sich dafür entsprechend Zeit nehmen. Nur vier oder sechs Sitzungen im Jahr „spielt’s schon lange nicht mehr“. Pro Mandat müsse mit 25 bis 30 Tagen im Jahr kalkuliert werden. Dafür ist die Bezahlung in Österreich im internationalen Vergleich nach wie vor bescheiden. Verwaltungsräte in Deutschland bekommen das Vielfache.

Ein Thema könnte für die burgenländischen Aufsichtsräte noch ziemlich unangenehm werden. Die Aufseher haften für Fehler mit ihrem gesamten Privatvermögen. Dafür gibt es zwar eine Versicherung, aber diese deckt nicht unbegrenzt.

von Andrea Hodoschek, 17.7.2020, Kurier;

Quelle: 24.07.2020, https://kurier.at/wirtschaft/massive-kritik-am-aufsichtsrat-der-commerzial-bank/400973717

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